Montag, 19. September 2016

Aspie goes to Internat

Tja

Ja. Ihr lest richtig!

Natürlich ist mein Aspie (er möchte hier im Blog so genannt werden und nicht mit seinem schönen Namen, den er hat) in einem Alter, wo man sich abnabeln darf. Gerade als Mutter ging mir das jetzt aber doch etwas zu schnell. Es gab faktisch keine Zeit sich darauf vorzubereiten und auch mental darauf einzustellen.

Internat war immer erstes Ausschlusskriterium bei der Ausbildungsplatzsuche.

Am Donnerstag wurde vom Träger der noch einzigste Platz da vorsichtshalber für ihn reserviert. Am Freitag 17.30 Uhr kam, nach erfolgter Testfahrt zur Berufsschule, das OK von Sohnemann, es probieren zu wollen. Täglich minimum 5,5 Stunden Fahrtzeit zum regulären Schulbetrieb- da würde wohl auch jeder Arbeitnehmer streiken.
Wir wussten nichts, ausser, dass er dort alleine wohnen kann- anders würde es auch garnicht funktionieren. Im Internet konnte ich dann herausfinden, dass dies wohl komplett eingerichtete Wohnungen sein müssen.

So starteten wir gestern gegen 17 Uhr. Mit Auto zeigte mir Google Maps ne Stunde Fahrtzeit an. Wir sind zwar eine Großfamilie, aber irgendwie hatte keiner Zeit, so dass wir Oma wieder einspannen mussten. Wir wollten Vito nicht mitnehmen, weil der ja heute eine Nierenuntersuchung im Krankenhaus gebucht hat mit Übernachtung, und eben abends noch seinen gewohnten Ablauf erleben sollte.

Neben Klamotten und ein bisschen Schulkram musste noch sein PC mit. Ich hoffe, er hält ein paar Auf- und Abbauten aus. Weil Sohnemann ist ja nur während der Schulblockzeiten im Internat. Das Praktikum muss noch gefunden werden, soll aber vor Ort erfolgen. Leider wehrt sich da gerade der Meister, bei dem er schon zwei Praktika's gut gemeistert hat, da im Gutachten der Ärztin der Agentur für Arbeit ein Satz steht, dass die Konzentration bei Anstrengung nachlässt. Ich war dabei bei der Untersuchung. Also getestet hat sie die nicht. Jedenfalls hat der Tischlermeistet wohl deshalb Angst, ihn nicht an Maschinen lassen zu können. Dabei war er der einzigste Schüler, der auch schon im BVJ an Maschinen durfte. Naja. Wir werden noch was finden!

Angekommen parkten wir vor einem Neubaublock wie wir sie auch von hier kennen. Wir wurden total nett empfangen. Aspie wurde mit Namen angesprochen und sehr herzlich begrüßt. Es war alles vorbereitet. Die Miete kostet für einen Block 75 Euro, das sind 7,50 Euro pro Tag, die das Amt aber mit übernimmt. Die Ausbildung ist ja eine Rehamaßnahme. Sohnemann hat als Asperger Autist einen Schwerbehindertenausweis.
Er bekam die Schlüssel und es ging zwei Etagen höher. Auf den Weg dahin erfuhren wir, dass die Lehrlinge in einem ganz normalem Mietshaus wohnen. Mit Lehrlingen und normalen Mietern. Sohnemanns Wohnung ist für zwei Personen ausgelegt, aber sie überlassen sie ihm allein. Ich hoffe, das bleibt auch so, anders würde es nicht funktionieren.

WLAN ist kostenlos und auch der Rest kann sich sehen lassen...und nen Balkon mit Sportmöglichkeiten vor der Nase gibt's auch. Es ist dort alles vorhanden. Auch ein Minibackofen für die Pizza's. Nur beim Bettzeug wurde das ganz private bevorzugt. Heute schrieb er auf Nachfrage, ob er beim Rauchen schon Kontakte geknüpft hat, dass es wohl drei  gibt, mit denen er sich gut unterhalten hat, aber ich soll ja bloß  net nach Namen fragen. 😀

Guten Gewissens haben wir ihn dort zurückgelassen...lach

Und nun hoffen wir, dass er die Chance nutzt und was drauss macht.

Die Gegebenheiten dort und die Unterstützung vom Träger sind jedenfalls durchweg positiv. Die zwei netten Betreuerinnen...Sie sind zwei Stunden täglich dort vor Ort,  betreuen neben den Lehrlingen noch ein Lehrlingswohnheim,  welches derzeit zum Flüchtlingsheim umfunktioniert




Die Bande wird groß!